Fragen und Antworten
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Was macht eine Pädaudiologin, eine Fachärztin für kindliche Hörstörungen, Sprach- Sprech- und Stimmstörungen?

Eine Pädaudiologin ist auf Grund ihres speziellen Wissens um die besonderen räumlichen Voraussetzungen (Mainzer Kindertisch in einer schallisolierten Kabine)und der speziellen personellen und zeitlichen Voraussetzungen (kurze Wartezeiten, ausführliche Untersuchung und Beratung)in der Lage die altersgemäße Hör und Sprachentwicklung ihres Kindes vom ersten Lebenstag zu bestimmen.

Warum ist eine „altersgemäße Hör- und Sprachentwicklung für mein Kind so wichtig?

Die neurobiologischen Erkenntnisse haben gezeigt ,dass sich das Hör- und Sprachvermögen schon im Mutterleib (Reaktion auf Schallereignisse der Umwelt, Kau- und Schluckbewegungen des Feten) und insbesondere in den ersten Lebensjahren (Reifung und Vernetzung der Hör- und Sprachzentren) entwickelt.

Es ist nicht mehr zeitgemäß die Sprachentwicklung abzuwarten und auf die Entwicklung im Kindergarten zu hoffen. Durch die sogenannten Zeitfenster gibt es ganz wichtige Phasen im Kleinkindalter die nicht verpasst werden dürfen.

Es ist wissenschaftlich fundiert nachgewiesen dass bei rechtzeitiger Erkennung der Hör- und Sprachprobleme im Kleinkind- und Kindergartenalter Lese- und Rechtschreibstörungen abgemildert oder vermieden werden können. (Suchodoletz)

Ab welchem Alter muss ich mir Sorgen machen?

Hören
Eine Hörprüfung ist ab dem ersten Lebenstag sinnvoll, um eine hochgradige Schwerhörigkeit auszuschließen .Die Prüfung kann auf verschiedene Arten erfolgen. Am Besten bewährt hat sich eine Kombination verschiedener Methoden, die jedoch in diesem Alter nur ein Pädaudiologe durchführen kann.

Nach dieser Untersuchung bekommen sie ausführliche Information über die weiteren Maßnahmen. Das Hörvermögen entwickelt sich in den ersten Lebensjahren (0-6 Jahren) enorm und kann durch viele Kleinigkeiten beeinflusst werden. Deswegen ist es wichtig immer wieder die „altersgemäße“ Hörschwelle (Säugling, Kleinkind, Kindergarten und Schulalter) zu bestimmen. Ihr Kind muss für jede Lebensphase eine angepasste ideale Hörschwelle haben.

Sprache/Sprechen:
Es ist wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, dass die Sprachentwicklung in enger Verbindung zur Entwicklung der Persönlichkeit, der sozialen Integration und der Schullaufbahn, hier insbesondere Lese-Rechtschreibstörungen steht.

Durch frühzeitige Erkennung einer Sprachentwicklungsstörung kann man viele Probleme vermeiden. (Verhaltensauffälligkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung)

Ab dem 12. Lebensmonat sollte das Kind einzelne Worte gerichtet benützen.. Ab dem 12.Lebensmonat bis zum 18. Lebensmonat besteht eine ganz sensible Phase der Sprachentwicklung Gewöhnt sich ihr Kind in dieser Zeit nur an Gestik und Lautsprache, kann es in den Folgemonaten zu größeren Problemen in der Sprachentwicklung kommen. Sollte ihr Kind ab dem 2. Lebensjahr nicht mehr als 50 Worte, sowie keine Zweiwortsätze sprechen ist eine pädaudiologische Abklärung dringend zu empfehlen.

Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Kinder ,die im Alter von 2 Jahren nur 50 Worte sprechen im späteren Entwicklungsverlauf erhebliche Defizite beibehalten und nicht alle diese Defizite bis zur Schule aufholen.

Was hat das altersgemäße Hör- und Sprachvermögen mit Schulproblemen zu tun?

Es ist wissenschaftlich gesichert ,dass Kinder mit leichtgradigen Einschränkungen des Hör- und Sprachvermögens auditive Aufmerksamkeits- und Differenzierungsstörungen entwickeln. Sie können Laute (meistens Konsonanten) nicht sicher unterscheiden und dadurch auch nicht richtig aussprechen. Dadurch kommt es zu Störungen im Bereich der sogenannten phonematischen Bewusstheit und der phonetischen Codierung (siehe Suchodoletz).

Man weiß, dass eine Lese- Rechtschreibstörung sehr viele Ursachen hat. Eine gesicherte Ursache ist jedoch die Störung der phonematischen Bewusstheit (Laute zu erkennen, zu unterscheiden) und der phonetischen Codierung (Lautbildung). Hat das Kind diese Eigenschaft nicht automatisiert, hat es in der Schule beim Lesen und Schreiben Probleme.

Bei meinem Kind wurde schon öfters eine Hörprüfung gemacht und sie war nie auffällig?

Dadurch ,dass es verschiedene Arten der Hör- und Sprachprüfungen gibt, ist es sehr schwierig die Voruntersuchungen zu beurteilen. Am Besten bringen Sie bei der Erstvorstellung die Hörprüfung in Kopie mit.

Hörprüfungen kann man je nach Alter und Mitarbeit ganz verschieden durchführen. Sicher ist, dass ab dem 3.Lebensjahr bei einem altersgemäß entwickelten Kind auch ein sogenannter Mainzer oder Göttinger Kindersprachtest gemacht werden kann. Es ist somit sehr früh möglich zu bestimmen, wie gut ihr Kind Sprache versteht. Hören ist ein sehr komplexer Vorgang und kann nicht nur durch die Bestimmung der Trommelfellbeweglichkeit, Messung der Emissionen oder eines Reintonaudiogramms/Sinustöne bestimmt werden.

Bei Vorschulkinder sind auch noch andere Testungen möglich ,die über die Aufmerksamkeit und Differenzierung Auskunft geben.

Warum ist es so wichtig vor der Schule das altersgemäße Hör- und Sprachvermögen zu testen?

In der Schule steigen die Anforderungen an das Kind enorm. Desgleichen ist der Lese- und Schreibprozess von einem guten Hörvermögen auch im Umgebungslärm und bei Ablenkung, abhängig. Das heißt das Kind muss konzentriert hinhören, lange genug, schnell genug und genau genug um den Anweisungen der Lehrer/rin folgen zu können.

Hat das Kind vorher jahrelang nicht gelernt aufmerksam, teilweise auch bei Ablenkung genau zu Lauschen, ist mit erheblichen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben zu rechnen.

Ab wann kann man eine Lese-Rechtschreibstörung feststellen?

Die Neigung zu einer Lese-Rechtschreibstörung kann man schon vor der Schule feststellen. Die leichtgradige Sprachentwicklungsstörung oder das leichtgradige, vielleicht auch wechselnde Hörvermögen, als wichtigste Voraussetzung zum Schriftspracherwerb, kann man schon sehr früh diagnostizieren (2-5.Lebensjahr).Dann kann man durch frühzeitige Maßnahmen viele Probleme vermeiden.

Es gibt ab dem 5.Lebensjahr einen empfohlenen Test (Bielefelder Vorschulscreening), der die Neigung zu Problemen beim Lesen und Schreiben schon vor der Schule aufzeigt. Durch gezielte Maßnahmen (Würzburger Förderprogramm) kann das Kind gezielt seine Schwäche ausgleichen. Desgleichen ist erwiesen, dass bei Maßnahmen vor der Einschulung (12-4 Monate vor Einschulung) und durch gezielte Förderung dieses Risiko erheblich gemindert werden kann (Suchodoletz). Aufmerksame Lehrer bemerken Probleme bei den gefährdeten Kindern schon in den ersten 6 Monaten und informieren die Eltern rechtzeitig. Zumindest jetzt sollte eine ausführliche pädaudiologische Abklärung erfolgen.

Die Neigung zu einer Lese-Rechtschreibstörung kann vor der Schule getestet werden, im ersten halben Jahr durch weiterführende Tests vermutet werden und ab der zweiten Hälfte der 2.Klasse bestätigt werden.

Durch das spezielle Wissen über die zahlreichen komplexen Zusammenhänge (Hören, Lauschen, Sprechen, Aufmerksamkeit, Konzentration) können aber schon im Kleinkind- und Kindergartenalter, durch frühzeitig Diagnostik viele Probleme vermieden werden.

Was kann ich unternehmen, wenn bei meinem Kind eine Lese-Rechtschreibschwäche vermutet wird oder es allgemeine Schulprobleme (Aufmerksamkeits-Hyperaktivitiätsstörungen) gibt?

Sie sollten bei Ihrem Kind einen Abklärungsplan (siehe Suchodoletz-Literaturangabe) erstellen. Zunächst sollte ein Gespräch mit der Lehrerin über die häuslichen Fördermaßnahmen erfolgen. Dann die Untersuchung allgemein beim Kinderarzt oder Kinderneurologen, dann eine augenärztliche Abklärung und eine pädaudiologische Abklärung ist unerlässlich. Erst beim Pädaudiologen können die gesicherten Voraussetzungen, das heißt phonematische Bewusstheit und phonetische Codierung, sowie die Hörschwelle für Töne, Sprache, Sprache im Umgebungslärm und vieles mehr ausführlich getestet werden. Bei körperlichen Symptomen oder Angst und Verhaltensauffälligkeiten wäre auch eine Vorstellung beim Kinderpsychiater bzw Kinderpsychotherapeuten sinnvoll. Wichtig ist, dass sie einen Zeitplan haben.

Was kann ich selbst beachten, um meinem Kind zu helfen?

Wichtig ist zunächst die Lehrerin um Rat zu bitten. Es gibt Förderunterricht oder spezielle Beratung zur häuslichen Förderung. Neurobiologisch nachgewiesen ist, dass 10 Minuten tägliches üben, mehr bringt als eine Stunde in der Woche. Die Ferien sollten auch zum üben genutzt werden. Lesen und Schreiben lernt man nur durch Lesen und Schreiben Es muss jedoch spielerisch und interessant gestaltet werden, da ohne Motivation des Kindes nichts geht.

In meiner Sprechstunde führe ich eine sehr ausführliche Abklärung durch. Ich berate persönlich sehr speziell und Sie haben die Gelegenheit nach einer Testung ein Beratungsgespräch bei einer besonders spezialisierten Psychologin zu reservieren.

Desgleichen stehe ich in Kontakt mit besonders geschulten Lehrern ,die eine gezielte Förderung mit Ihnen ausarbeiten können. Als Fachärztin für kindliche Hör-, Sprach und Sprechstörungen, Pädaudiologie habe ich ein ganz spezielles Fachwissen.

Ich betrachte die Hör-, Sprach und Sprechentwicklung Ihres Kindes ganzheitlich und in Beziehung zu den zu erwartenden Entwicklungsfortschritten um leichteste Verzögerungen in der altersgemäßen Entwicklung frühzeitig zu erkennen. Somit kann man durch frühzeitige, spezielle Diagnostik reaktive Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeits-und Konzentrationsstörungen und später Verarbeitungs- Wahrnehmungsprobleme und eventuelle eine Lese-Rechtschreistörungen abmildern oder vermeiden.

Es ist wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, dass Hör- und Sprachprobleme im Kleinkind -und Vorschulalter eine der wichtigsten Ursachen bei der Entstehung der Lese-Rechtschreibstörung im Schulalter ist. Desgleichen gibt es wissenschaftlich fundierte Möglichkeiten diese sogenannten Vorläuferfähigkeiten frühzeitig zu testen und geeignete therapeutische Schritte zu unternehmen.

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